Fühlst du noch oder bewegst du dich schon? Transformation im Verkehr als integraler Bestandteil neuer Raumstrategien braucht Dialog und echte Experimente im Stadtraum. Es könnt ja funktionieren!
Kaum ein Thema erhitzt die Gemüter derart, wie die Mobilitätswende. Unweigerlich eines der wichtigsten und zugleich auch emotionalsten Themen der Stadtentwicklung. Dass mit Blick auf Klima und Lebensqualität innerhalb dichter werdender Räume etwas passieren muss, wird auch den letzten Skeptiker*innen langsam bewusst. Und doch soll der Beitrag zu einer besseren Umwelt bloß nicht vor der eigenen Haustüre erfolgen! Mein Auto … ähm meine Straße, mein Zuhause, mein Block. 80 Millionen Menschen und jede*r ist Expert*in darin geworden, wie Verkehrswende gelingen kann, ohne dass individuelle “Abstriche” gemacht werden müssen. Wir sagen: Jetzt erst recht!
Als Planer*innen sehen wir die Mobilitätswende vor allem als strategische Flächenressource, die vor allem auf gesamtstädtischer Ebene behandelt werden muss. Weniger Raum für Verkehr durch kluge Umverteilung bedeutet für uns: Mehr Raum für den Menschen. Für die Natur. Zum Durchatmen, Leben, Zeiteinsparen. Um die Mobilitätswende jetzt erfolgreich auf die Spur zu bringen und nicht weiter zum Kulturkampf werden zu lassen, bedarf es dialogorientierter Begleitung und transparenten Prozessen. Und genau dies tun wir seit mittlerweile über 10 Jahren. Unsere Prozesserfahrung rund um die Mobilitätswende reicht von Dialogen über Konzeptentwicklung bis hin zu Realexperimenten mit den Menschen vor Ort: Vom klasssichen Mobilitätsentwicklungsplan (MEP) bis zum Szenariospiel oder Mobil-O-Mat. Zudem begleiten wir gesamtstädtische Verkehrsentwicklungsplanungen als begleitende, vermittelnde und kommunikative Instanz.
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Um die Mobilitätswende jetzt erfolgreich auf die Spur zu bringen und nicht weiter zum Kulturkampf werden zu lassen, bedarf es dialogorientierter Begleitung und transparenten Prozessen. Und genau dies tun wir seit mittlerweile über 10 Jahren.
Wenn uns die Arbeit für die Mobilitätswende in den letzten Jahren eines gelehrt hat, dann: Veränderung ist erst dann möglich und erfolgreich, wo sie greifbar, wo sie spürbar wird. Das tut sie nicht in Talk-Shows, Essays oder auf Stammtischen, sondern insbesondere im Raum selbst. Erst wenn wir – und wenn es nur temporär im Sinne eines Realexperimentes ist – vor unserer eigenen Haustür die positiven Aspekte von mehr Aufenthaltsqualität, Ruhe und Sicherheit zu spüren bekommen – können wir die “Mobilitätswende” wirklich beurteilen. In einer hohen Wahrscheinlichkeit weiten diese sichtbaren, erlebbaren Veränderungen unseren Blick und zeigen uns, dass der zunächst angenommene Schmerz in Wirklichkeit eine einmalige Gelegenheit für etwas ganz Großes sein kann: Gelegenheit für mehr Lebensraum! Insofern sind wir davon überzeugt, dass die Verkehrswende zunächst mit den Menschen vor Ort verhandelt werden muss.
Damit unsere Arbeit im Raum die Verkehrswende zukünftig noch erfolgreicher voran bringen kann, wünschen wir uns neue Narrative und Bilder in den Köpfen der Betroffenen. Hier bedarf es auch auf strategischer Ebene zunehmend anderer Vorgehensweisen. Indem das Thema Mobilitätswende auch grenzübergreifend, regionalplanerisch – etwa im Rahmen einer Transit Oriented Development (TOD) –, in Entwicklungsstrategien fokussiert wird, können geeignete (Möglichkeits-)Räume frühzeitig identifiziert werden und auch die Verknüpfung zu anderen infrastrukturellen Themen Bausteinen (etwa aus der Energie- und Wärmewende) erfolgen. Verkehrswende muss ganzheitlich und darf nicht separat gedacht werden. Erst wenn wir Verkehrswende als Bestandteil einer übergeordneten urbanen Transformation durch neue Formate vermittelt bekommen, können wir auch das Mindset der Menschen langfristig ändern.
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Wenn uns die Arbeit für die Mobilitätswende in den letzten Jahren eines gelehrt hat, dann: Veränderung ist erst dann möglich und erfolgreich, wo sie greifbar, wo sie spürbar wird.
Wie solch neue Formate im übergeordneten Sinne aussehen können, zeigen wir bereits in unserer Arbeit an der Machbarkeitsstudie für die IBA München. In dieser zeigen sieben Handlungsansätze exemplarisch, wie Mobilitätswende und Stadtentwicklung Hand in Hand gehen können. Etwa indem regionale Akteure vor Ort Projekte gestalten, die Mobilitätskultur sichtbar verändern, während Zugänge zu Verkehr und Infrastruktur sozial gerecht und räumlich durchlässig gestaltet werden. Teststrecken ermöglichen es hingegen, neue Ideen unter realen Bedingungen auszuprobieren, und Quartiere werden zu Inkubatoren für Innovationen. Hochwertige öffentliche Räume dürfen dabei nicht weniger als ein Schaufenster einer attraktiven Mobilität sein, während auf regionaler Ebene mithilfe von Raumbildern und innovativen Governance-Ansätzen Ziele formuliert werden müssen, die Infrastrukturen der Mobilität und Landschaften zu einem gemeinsamen Bild verbinden. Neue Allianzen zwischen Verwaltung, Unternehmen, NGOs und Zivilgesellschaft bündeln Kräfte, lösen Blockaden und schaffen die Grundlage für eine integrierte, zukunftsfähige Mobilitätskultur in der gesamten Region.